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Neben dem Kundennutzen spielen die Wettbewerbspreise eine wichtige Rolle. Wurde mit einer nutzenorientierten Analyse der nutzenoptimale Preis für ein Au-tomobil ermittelt, wird der Hersteller i.d.R. diesen Preis dann nicht durchsetzten können, wenn der relevante Kernwettbewerb des Segmentes nachträglich einen signifikant niedrigeren Preis fordert. Aus dieser Überlegung heraus ist der wett-bewerbsorientierten Preisbildung eine besondere Bedeutung zuzusprechen. Das Grundprinzip der wettbewerbsorientierten Preisbildung ist es, Preise von Pro-dukten der Wettbewerber als kalkulatorischen Ausgangspunkt zu wählen und diese durch Rückrechnung auf ihre Erfolgswirkung hin zu überprüfen. Aus diesem Grund wird auch von retrograder Kalkulation gesprochen. Wie in Kapitel 1.3 erörtert wurde, besteht der Preis aus vielen Bestandteilen und ist daher zwischen den Herstellern kaum vergleichbar. Um jedoch geeignete Schluss-folgerungen aus den Preisen der Wettbewerber für die eigene Preisbildung tätigen zu können, muss eine gewisse Vergleichbarkeit durch Herausrechnung der jeweili-gen Preisbestandteile geschaffen werden. Die Preispositionierung gestaltet sich von Branche zu Branche unterschiedlich. Die Preispositionierung im Automobilmarkt orientiert sich heute häufig am Vorgänger-modell und an den direkten Wettbewerbern. Viele Hersteller verfolgen letztlich eine Anpassungsstrategie, die als Basis für die Optimierung des Mehrnutzens bezogen auf Ausstattung, Motorleistung, Marke, Service, Design, Sicherheit etc. aus Kun-densicht genutzt wird. Für die optimale Gestaltung der Preispolitik ist demnach eine gute Informationsba-sis unerlässlich. Die Analyse der Konkurrenz und deren Preise wird als Horizontal-analyse bezeichnet. Es wird hierbei in sekundär- und primärstatistische Informati-onsquellen unterschieden. So sind speziell bei der preisbezogenen Wettbewerbs-analyse Prospekte, Preislisten, Kataloge und auch persönliche Gespräche als Informationsbasis geeignet. Hieraus lassen sich Informationen wie Konkurrenzprei-se, Produkt- und Preisdifferenzen sowie hedonische Preisfunktionen ermitteln. Orientieren sich Wettbewerber gegenseitig an der jeweiligen Preisstellung, kann dabei in die Anpassungsstrategie, die Preisführerschaft sowie die Nischenstrategie unterschieden werden. Bei der Anpassungsstrategie orientiert sich das Unter-nehmen an der Konkurrenz und variiert seine Preise reaktiv in Bezug auf Preisakti-onen der Wettbewerber. Ein Unternehmen gilt als Preisführer, wenn seine Preise als Referenz für die Wettbewerber dienen. Es wird in barometrische und dominante Preisführerschaft unterschieden. Bei der barometrischen wechselt der Preisführer von Fall zu Fall. Bei der dominanten Preisführerschaft gibt es lediglich einen Preis-führer, dessen Dominanz auf einem hohen Marktanteil im jeweils relevanten Markt-segment sowie einem starken Image beruht. Typische Preisführer im deutschen Automobilmarkt sind der VW Golf im Segment der unteren Mittelklasse sowie die S-Klasse im Segment der Oberklasse. Die Nischenstrategie, welche im Folgenden den Fokus der Arbeit darstellen soll, strebt eine bewusste Absetzung von Konkur-renzpreisen an.

 

 

 

 

 

 

cve2002